8. Zusammenfassung


Die Kenntnisse zu der Blattschneiderbiene Megachile genalis MOR. (Hymenoptera: Megachilidae) waren bisher gering und verteilten sich auf mehrere Einzelmitteilungen.
In der vorliegenden Arbeit wurden bekannte Ergebnisse zusammengefaßt, sowie die in den Jahren 1996 und 1997 durchgeführten eigenen Untersuchungen in der Umgebung von Halle/S. zur Bionomie und lokalen Verbreitung der Art ausgewertet.

Die Flugperiode der protandrischen M. genalis erstreckt sich im Verbreitungsgebiet von Ende Mai bis Ende September. Bei günstigen klimatischen Verhältnissen kommt die Art partiell bivoltin vor (Kroatien, Türkei, z. T. in Frankreich).
Die Blattschneiderbiene besiedelt verschiedene Pflanzenarten mit hohlen bzw. markhaltigen Sproßachsen, insbesondere Allium cepa, Angelica sylvestris und Conium maculatum. Im Raum Halle/S. werden nahezu ausschließlich Sprosse von Echinops sphaerocephalus (Große Kugeldistel) genutzt.
Die Art nistet vorrangig in frischen, d. h. aus dem selben Jahr stammenden, senkrecht stehenden Pflanzenstengeln. Selten werden abgestorbene Sprosse aus dem Vorjahr verwendet. Waagerecht aufgestellte Nisthilfen wurden nicht angenommen.
Die Flugöffnung wird für gewöhnlich seitlich am Pflanzenstengel angelegt, bei abgebrochenen Sprossen wird jedoch die Abbruchstelle als Flugloch genutzt. Teilweise werden verlassene Nester der gleichen bzw. anderer Arten übernommen.
Im Untersuchungsgebiet erfolgte die Unterscheidung von vier Nestformen in Kugeldisteln. Bei der häufigsten Form wurde ein von der Flugöffnung aus gesehen aufwärts- und ein abwärtsgerichteter Nistgang angelegt. Aufwärtsgerichtete Gänge wurden ebenfalls mit Brutzellen versehen, was durch die zähflüssige bis breiige Konsistenz des Pollen-Nektar-Gemisches ermöglicht wurde.
Durchschnittlich enthielten die Nester im Raum Halle/S. 12 Zellen, bei einer mittleren Gesamtlänge der Gänge von 29 cm. Es ist davon auszugehen, daß bei geeigneten Bedingungen mehr als ein Nest je Weibchen angelegt wird.
Zur Anfertigung der Blattausschnitte nutzte die Biene verschiedene Pflanzenarten, wobei im Gebiet Schattenblätter von Wildrosen bevorzugt wurden.
M. genalis ist eine oligolektisch an Asteraceen fliegende Art. Insbesondere an Distelarten (Carduus sp., Cirsium sp.) und Vertretern der Cichorieae (Wegwarte u.a.) sammeln die Weibchen Pollen. Zum Nektarsammeln werden teilweise Pflanzen anderer Familien verwendet.
Die Nistaktivität der Weibchen ähnelt der anderer Megachile-Arten. Bei warmer, trockener Witterung fertigten die Tiere bis zu 1,5 Brutzellen je Tag an. Die Minimaltemperatur für den Beginn der Flugaktivität lag im Gebiet bei 18° bis 20°C.
Es bestand ein ausgeprägter Sexualdimorphismus des Größenverhältnisses der Geschlechter. Männchen besaßen eine um ca. 30 % geringere Kokonmasse als Weibchen. Das theoretische und das sekundäre Geschlechterverhältnis unterschieden sich stark voneinander, die Ursache konnte nicht nachgewiesen werden. Vermutlich spielen im Gebiet neben den Witterungsverhältnissen und dem Blütenangebot die zeitaufwendige Nutzung markhaltiger Stengel eine Rolle.
Die präimaginale Mortalität lag in einem Bereich von 40 bis 60 %. Erstmalig wurden Parasiten der Art erfaßt. Kardinalparasit war Lasiambia sp. (Diptera: Chloropidae). Weiterhin wurden die Hymenopteren Melittobia acasta (Eulophidae), Aritranis explorator, A. fugitivus, Exeristes roborator (Ichneumonidae) sowie Coelioxys inermis und C. mandibularis (Megachilidae) als Parasiten in den Nestern nachgewiesen. Parasitoid der Imagines war Physocephala vittata (Diptera: Conopidae).
Bei einigen Nestern wurde eine Prädation durch Vögel belegt.

Die Blattschneiderbiene ist in der Paläarktis, von Spanien bis Japan verbreitet. In einem Bereich von 3° westlicher bis 145° östlicher Länge und 42° bis 60° nördlicher Breite. Sie wurde dem hypereuryök-intermediären Verbreitungstyp zugeordnet. In weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes erreicht sie nur eine geringe Populationsdichte. Meldungen aus Kirgistan und Tadzhikistan lassen jedoch vermuten, daß sie in diesem Bereich häufig ist.
M. genalis wurde in unterschiedlichen Offenlandbiotopen nachgewiesen und ist damit nicht an einzelne Pflanzengesellschaften gebunden. Für ihre Verbreitung und Abundanz sind neben klimatischen Bedingungen ein ausreichendes Nahrungs- (Asteraceen) und Nistangebot entscheidend.
Megachile genalis wurde im Gebiet, aufgrund ihrer geringen Abundanz und der verhältnismäßig wenigen Nachweisflächen, als gefährdete Art eingestuft (Rote Liste Kategorie 3).



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