Blütenbesuch der M. genalis


Adulte Bienen ernähren sich hauptsächlich von Nektar. Hingegen besteht die Larvalnahrung aus dem von den Weibchen angefertigten Pollen-Nektar-Gemisch. Beim Pollensammeln verhalten sich die Bienenarten unterschiedlich. Man unterscheidet polylektische Arten, die den Pollen verschiedener Pflanzenarten und -familien sammeln sowie oligolektische Arten, die ausschließlich Pollen nahe verwandter Pflanzenarten oder einer Pflanzenfamilie nutzen. Im Gegensatz zum Pollensammeln ist bei der Auswahl der Nektarquellen meist keine strenge Gebundenheit an bestimmte Pflanzenarten zu beobachten. Auch Weibchen oligolektischer Bienenarten nutzen zum Nektarsaugen teilweise Pflanzenarten anderer Familien (Westrich & Schmidt 1986).
Zur Verproviantierung der Brutzellen wird der Nektar im Honigmagen zum Nest transportiert und dort in die Zelle gespien. Wurde gleichzeitig Pollen gesammelt, wendet die Biene anschließend und bürstet mit den Hinterbeinen den Pollen aus der Scopa (Dorn & Weber 1988). Dadurch entsteht in der Zelle ein Pollen-Nektar-Gemisch. Für die verwandte Art M. rotundata wurde ein Verhältnis von 64 % Nektar und 36 % Pollen (Frischgewicht) ermittelt (Klostermeyer et al. 1973).

Für Megachile genalis wurde noch nicht nachgewiesen, ob die Art oligo- oder polylektisch ist. Bisher bekannte Blütenbesuche der Art ließen eine Oligolektie an Asteraceen vermuten.
Aus der Umgebung von Halle⁄S. (Sachsen-Anhalt) wurden 126 Pollenpräparate aus 44 Nestern (1995⁄1996) von M. genalis untersucht.


Pollenkörner

Nahezu alle untersuchten Proben bestanden aus Pollen von Asteraceen. Lediglich in einem Präparat (Nest 78, Zelle 1) waren ca. 10 % Fabaceen-Pollen enthalten. Bei zwei weiteren Proben aus diesem Nest konnten wiederum nur Pollen von Asteraceen nachgewiesen werden. Der Asteraceen-Pollen wurde in die von Zander (1935) aufgestellten Sammelformen unterteilt und mit den am Standort nachgewiesenen Pflanzenarten verglichen. Folgende Sammelformen wurden in den Proben ermittelt:

Jacea - Form
Serratula - Form
Taraxacum - Form

Die beobachteten Weibchen von M. genalis trugen zur Verproviantierung der Brutzellen gleichzeitig Pollen und Nektar ein. Ausschließlich Nektar wurde nur zur Eigenversorgung, z. B. während der Bauphasen, gesammelt. Die Zellen wurden zu ca. 2⁄3 mit dem Pollen-Nektar-Gemisch gefüllt, welches ähnlich wie bei M. rotundata eine zähflüssige bis breiige Konsistenz besitzt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei M. genalis um eine oligolektisch an Asteraceen fliegende Art. Nur wenige Tiere wurden bisher an Pflanzenarten anderer Familien gefangen. Dabei handelte es sich bei maximal 4 Fängen um Weibchen. Das an Lythrum sp. beobachtete Tier (Fellendorf & Mohra 1997) hatte keinen Pollen gesammelt. Bei den übrigen Funden wurde der Grund des Blütenbesuchs nicht vermerkt. Vermutlich sammelten die Bienen an den Blüten keinen Pollen, sondern Nektar. Im Untersuchungsgebiet konnten jedoch für M. genalis keine von den Pollenquellen abweichende Pflanzenarten zum Nektarsammeln nachgewiesen werden.
Die Pollenanalyse ergab, daß M. genalis Pflanzenarten der Triben Cynareae (Arctium, Carduus, Cirsium, Centaurea), Cichorieae (Cichorium, Picris) und Eupatorieae (Eupatorium) nutzte. Im Gebiet wurden Distelarten (Carduus, Cirsium) und die Wegwarte bevorzugt. An Flockenblumen (Centaurea) sammelten nur wenige Weibchen Pollen, oft war das Angebot an Blüten dieser Arten auch stark begrenzt. Freilandbeobachtungen zeigten, daß die Tiere ebenfalls wenig Pollen des an einigen Standorten häufig vorkommenden Bitterkrautes (Picris hieracioides) eintrugen. So konnte ein Weibchen beobachtet werden, welches nahezu ausschließlich an Disteln und Wegwarte flog, obwohl in unmittelbarer Nähe reichlich Picris blühte.

Quelle: Ruhnke (1998)

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